Rezi: Looper (USA; 2012)

Eher abseits des grellen Rampenlichts, gewissermaßen durch die Hintertür, hat sich LOOPER in die Kinos geschlichen, ein mit 60 Millionen US Dollar vergleichsweise preiswerter Science-Fiction-Thriller, prominent besetzt mit Bruce Willis und Joseph Gordon-Levitt (THE DARK NIGHT RISES). Aufhänger des Filmes sind Zeitreisen, die in Zukunft 1, in der die Rahmenhandlung des Filmes spielt, noch nicht erfunden sind, in der 30 Jahre späteren Zukunft 2 jedoch schon. Dort nutzt das organisierte Verbrechen Zeitreisen, um unliebsame Personen zurück in Zukunft 1 zu schicken, in der sie postwendend von angeheuerten Killern, Loopern genannt, per Shotgun ins Nirvana befördert werden. Der neue, grausame Pate der Zukunft-2-Mafia beginnt nun aber, die 30 Jahre älteren Looper aus Zukunft 2 nach Zukunft 1 zu schicken, wo sie von ihren jüngeren Ichs ermordet werden sollen. Looper Joe (Joseph Gordon-Levitt) ist bei Ankunft seiner älteren Version (Bruce Willis) so verdutzt, dass er Old Joe entkommen lässt. Um nicht von seinen eigenen Kollegen getötet zu werden, nimmt Joe die Jagd auf, während Old Joe wiederum eigene Pläne verfolgt, die Zukunft umzugestalten.
Zeiteisegeschichten neigen dazu, sich durch ein allzu verworrenes Spiel mit den diversen Paradoxa selbst ein Bein zu stellen sowie schnell unübersichtlich und undramatisch zu werden. LOOPER hingegen besticht neben einer Anzahl wirklich interessanter, teilweise reichlich abgründiger Ideen (z.B. Verstümmelung eines jungen Loopers, deren Auswirkungen man parallel an dessen 30 Jahre älterem Pendant sieht) vor allem durch seine erzählerische und dramaturgische Stringenz. Auf den Fersen eines moralisch eher fragwürdigen Haupthelden lernt der Zuschauer das Filmuniversum kennen und verstehen, nur die Verwirrungen des Protagonisten führen auch zu solchen des Publikums. Auf den im Genre üblichen Technikfetischismus wird verzichtet, stattdessen konzentriert sich LOOPER auf gut ausgearbeitete Charaktere, deren Schicksal erfreulich intensiv auf dass Gemüt des Zuschauers schlägt.
Ein wenig zweifelhaft ist die Entscheidung, die Rahmenhandlung unnötigerweise in der Zukunft anzusiedeln, die mangels Budget sehr inkonsequent visualisiert wurde. Da es dort keinerlei für die Story essentielle futuristische Gadgets gibt, könnte die Zukunft 1 durchaus auch die Gegenwart sein, hier wollte man offenbar beim SciFi-Publikum punkten. Die in spröden, farbentsättigten Bildern eingefangenen urbanen Szenerien wurden mittels CGI-Gebäuden und Vehikeln leicht aufgepeppt und verbreiten unwohlig dystopisches Flair. Mit den fantastischen Bilderwelten eines MINORITY REPORT oder TOTAL RECALL (Remake) kann LOOPER aber nicht mithalten. Gleiches gilt auch für die diversen Actionszenen, die durch blutige Härte bestechen, aber zum einen sehr bodenständig, zum anderen aber gelegentlich auch eher schludrig (das Massaker im Looper-HQ) inszeniert sind.
Allerdings verblassen diese Kritikpunkte angesichts der ungeheuer dichten Atmosphäre, der wendungsreichen fiesen Geschichte, und auch der überzeugenden Darstellerleistungen, wobei vor allem Gordon-Levitt auffällt, der Bruce Willis’ Mimik und Manierismen offenbar sorgfältig studiert hat und von gutem Make-up unterstützt ein glaubwürdiges junges Ebenbild des Actionveteranen abgibt.
Für Freunde des fantastischen Films ist LOOPER nach einer Odyssey von Enttäuschungen und Peinlichkeiten, von BATTLESHIP über PROMETHEUS bis RESIDENT EVIL: RETRIBUTION, endlich ein Genrebeitrag, der ohne Wenn und Aber empfohlen werden kann, ein Film, bei dem Mitdenken nicht zu einem Verlust an Unterhaltungswert führt, ganz im Gegenteil.

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